16 Mar
16Mar

In der Schattentheorie nach C. G. Jung sind die Menschen, die uns triggern oder uns schmerzhafte Erfahrungen bringen, oft Spiegel für etwas in uns, das noch unbewusst ist oder abgelehnt wird. Wenn du das Muster erkennst, dass du zu wenig Aufmerksamkeit bekommst oder links liegen gelassen wirst, dann zeigt dir das möglicherweise einen Schattenanteil, der mit Selbstwert und Selbstbedeutung zu tun hat.

Was will gesehen werden?

  • Unbewusste Überzeugungen: Vielleicht existiert tief in dir der Glaubenssatz: „Ich bin nicht wichtig“ oder „Ich verdiene keine Aufmerksamkeit.“ Dieser könnte aus früheren Erfahrungen stammen, wo du das Gefühl hattest, nicht wahrgenommen oder wertgeschätzt zu werden.
  • Selbstverleugnung: Manchmal geben wir anderen unbewusst die Erlaubnis, uns zu ignorieren, weil wir selbst nicht genug für unsere eigenen Bedürfnisse einstehen.
  • Angst vor echter Sichtbarkeit: Es kann auch sein, dass ein Teil von dir sich davor fürchtet, wirklich gesehen zu werden – denn mit Sichtbarkeit kommt Verantwortung oder die Möglichkeit, abgelehnt zu werden.

Was ist die Lösung?

  1. Den Schatten annehmen: Statt gegen das Gefühl des Übersehen-Werdens zu kämpfen, kannst du es bewusst erforschen. Frage dich: Wo ignoriere ich mich selbst? Wo nehme ich mich nicht ernst genug?
  2. Eigene Aufmerksamkeit schenken: Was du von anderen erwartest – gesehen und geschätzt zu werden – kannst du dir selbst geben. Entwickle Rituale, in denen du dich feierst, dir Wertschätzung schenkst und dich selbst bestätigst.
  3. Grenzen setzen und Raum einnehmen: Manchmal liegt die Lösung darin, sich bewusst für die eigene Präsenz zu entscheiden, sich zu äußern, seinen Standpunkt klarzumachen und für sich selbst einzustehen.
  4. Neue Glaubenssätze integrieren: Ersetze destruktive Überzeugungen durch unterstützende: „Ich bin wichtig“, „Meine Präsenz ist wertvoll“, „Ich verdiene es, gehört zu werden.“
  5. Menschen und Umfelder bewusst wählen: Ziehst du immer wieder Menschen an, die dich nicht sehen? Vielleicht ist es an der Zeit, dich mit Menschen zu umgeben, die deinen Wert erkennen und schätzen.

Der Schatten zeigt, wo du dich selbst noch übersehen oder klein hältst. Die Arbeit besteht darin, dich selbst ernst zu nehmen, deine eigene Stimme zu hören und dich sichtbar zu machen – für dich selbst und die Welt. Sobald du diesen Anteil bewusst integrierst, wirst du auch andere Reaktionen im Außen erleben.

Wenn du eine Hemmung hast, dich zu zeigen, ist das völlig verständlich – Sichtbarkeit kann sich bedrohlich anfühlen, besonders wenn man tieferliegende Ängste oder frühere Erfahrungen hat, die mit Ablehnung, Kritik oder Unsicherheit verbunden sind. Der Schlüssel ist, dich nicht zu überfordern, sondern in kleinen, sicheren Schritten deine Komfortzone sanft zu erweitern.

Kleine Schritte in die Sichtbarkeit – mit Wohlfühlfaktor

1. Innere Klarheit schaffen – warum willst du sichtbar sein?

Frage dich:

  • Was ist mein tiefster Grund, warum ich mich zeigen will/muss?
  • Wem könnte meine Sichtbarkeit helfen?
  • Was hält mich eigentlich zurück – Angst vor Bewertung oder ein alter Glaubenssatz?

Ein sanfter Perspektivwechsel hilft oft: Du zeigst dich nicht für alle, sondern für genau die Menschen, die dich brauchen.


2. Geschützte Räume nutzen – sanft üben

Wenn der Sprung ins kalte Wasser zu groß ist, fang in einem sicheren Rahmen an:

  • Erzähle engen Freunden von deiner Idee, sichtbarer zu werden.
  • Teile etwas mit einer kleinen geschlossenen Gruppe (z. B. in einer vertrauten WhatsApp-Gruppe oder einer privaten Community).
  • Sprich mit der Kamera, ohne das Video zu veröffentlichen, einfach um dich an deine eigene Stimme und Präsenz zu gewöhnen.

3. Schranken abbauen – bewusst „ungefährliche“ Sichtbarkeit wählen

Wenn der Gedanke an öffentliche Sichtbarkeit Angst macht, kann es helfen, mit kleinen, weniger persönlichen Inhalten zu starten:

  • Instagram-Storys ohne Gesicht: Teile ein Zitat, eine Reflexion oder eine Frage an deine Community.
  • Texte statt Videos: Falls Videos zu viel sind, beginne mit kurzen Textposts oder Blogartikeln.
  • Fotos ohne direkte Kameraansicht: Zeige deine Hände, deine Arbeit, dein Umfeld – nicht zwingend dein Gesicht.

Hier geht es darum, langsam Vertrauen in deine Sichtbarkeit aufzubauen.


4. Eine Routine aufbauen – Mini-Momente der Sichtbarkeit

Finde eine Möglichkeit, kleine, aber beständige Schritte zu gehen, damit es sich immer natürlicher anfühlt.

  • Jeden Tag eine Mini-Story posten (vielleicht erst nur mit Schrift oder einer Naturaufnahme).
  • Einmal pro Woche einen kleinen Post schreiben – ohne Druck, dass er perfekt sein muss.
  • Mit einer Person aus deinem Umfeld bewusst über dein Projekt sprechen, um dich daran zu gewöhnen, dass du dich zeigst.

Konsistenz nimmt die Angst, weil du merkst: Es passiert nichts Schlimmes – im Gegenteil, du wirst mit positiven Rückmeldungen wachsen.


5. Selbstmitgefühl und Körperarbeit nutzen

Wenn die Angst kommt, anstatt sie zu bekämpfen, nimm sie an und beruhige dein Nervensystem:

  • Atmung: Langsame, tiefe Atemzüge helfen, den Körper zu entspannen.
  • Körperwahrnehmung: Wo spürst du die Angst? Kannst du sanft darauf achten, ohne sie zu verdrängen?
  • Positive innere Dialoge: Statt „Ich kann das nicht“ lieber „Ich darf mich in meinem Tempo zeigen.“

6. Feier deine Fortschritte – egal wie klein!

Jeder Schritt zählt! Schreibe dir nach jeder „Mut-Aktion“ auf, was gut lief und wie es sich angefühlt hat. Dein Nervensystem gewöhnt sich Schritt für Schritt an die neue Sicherheit in der Sichtbarkeit.


Der Trick ist, Sichtbarkeit nicht als Zwang, sondern als behutsamen Prozess zu gestalten. Indem du geschützte Räume nutzt, schrittweise Routine aufbaust und mit kleinen, angenehmen Formen von Sichtbarkeit beginnst, kannst du langsam aus deiner Hemmung herauswachsen – und dich dabei wohlfühlen.

Was fühlt sich für dich nach einem ersten, machbaren Schritt an?

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